Blankenberg
Wenn ich mal ohne meine Hunde unterwegs bin möchte ich ihnen immer etwas Schönes aus einem Tiergeschäft mitbringen. Als ich dann ein Tiergeschäft betrat wurde es mir schwarz vor den Augen, das Entsetzen stand mir im Gesicht geschrieben. Gab es hier doch tatsächlich noch Welpen und Kätzchen hinter Glasvitrinen. Ein Meter auf einem Meter groß. Ihre Geschäfte mussten die Tiere dort erledigen wo sie gerade waren. Besucher klopften an die Scheiben. Preisschilder standen drauf: 400 € ein Golden Retriever.
Mir wurde schlecht, ich rannte raus. Zu sehr war ich an meinen Daheimgebliebenen erinnert worden. Das erste mal Ferien ohne meine Hunde da es ein Schulausflug gewesen ist und jetzt muss ich auch noch von so einer Grausamkeit erfahren. Am liebsten wollte ich wieder rein gehen und ihn mitnehmen aber als erfahrener Hundehalter weiß ich, dass diese Geschäftsbetreiber nur auf solche Kunden warten und sich die Hände reiben wenn sie wieder mal so ein süßes Bündelchen verkauft haben. Doch das Herz ist schwer. Da der Goldie im Schaufenster schon zu groß ist und etwas am Auge hat um wirklich noch kleine Kinder, potentielle Käufer an sich zu ziehen. Ich gehe also noch mal rein und fotografiere die Zehnen unbeobachtet und weine leise vor mich hin. Ich sag dem armen Kerl tschau und wünsch ihm das allerbest dieser Welt und gehe.
Schlafen konnte ich diese Nacht nicht. Am nächsten Tag als die andern Schüler fröhlich zum Strand gingen, machte ich mich auf den Weg zum Tiergeschäft um die Verkäufer zur Rede zu stellen da ich wissen wollte was mit den Welpen nach Ladenschluss passieren und was mit ihnen geschehen würde wenn niemand sie haben will. (Denken kann ich mir das schon aber wahrhaben und vorstellen möchte ich es mir nicht.) Doch als ich vor dem Laden stand, stand „Geschlossen“ drauf. Misst, Sonntag. In dem Moment wusste ich genau dass ich wahrscheinlich nicht ohne diesen Hund gegangen wäre doch die Vorstellung mit dem Welpen aus der Glasvitrine mit dem Bus von Belgien nach Luxemburg zu fahren, meinen Eltern zu erklären, dass ich einen Hund vom Fleckweck gekauft hätte und den jetzt als dritt Hund halten wollte. Der wahrscheinlich weder Streicheleinheiten, weder Unwelteinflüsse, noch liebe Worte von irgendwelchen Menschen kennt und wahrscheinlich total unsozialisiert ist meinen Hunden vorstellen wolle bringt mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Also blieb mir nichts anderes übrig als ohne Informationen und vielleicht Gott sei Dank (oder auch nicht) ohne Hund nach hause zu gehen. Daheim angekommen, stürmisch begrüßt und nicht mehr aus den Augen gelassen von den eigenen Vierbeinern, heulte ich gleich los und erzählte meinen Eltern die ganze Sache. Die meinten ich sollte den Tierschutz anrufen. Am nächsten Tag machte ich das auch, diese sagten mir sie könnten da nichts machen, in Belgien sei das eben noch erlaubt. Doch genau das kann ich weder verstehen noch akzeptieren denn schließlich redet doch jeder von einem vereinten Europa, wo sind denn die vereinten Rechte für die Tiere?
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